Trinkwasserdaten in der Lehre: Material für Lehrende
Wie setzen Sie Wasser-Evidenz in einer Sitzung, einem Blockseminar oder einem Projekt ein?
Alle Materialien sind kostenlos und stehen unter CC BY 4.0. Sie brauchen kein Konto. Für Schulen gibt es den Wasserdetektiv mit eigenem Material für Lehrkräfte. Alles auf dieser Seite gibt es als Seminarhandreichung (PDF); Poster und Vorlagen stehen bei den Materialien.
Eine Sitzung mit 90 Minuten
- Lernfrage
- Wie belastbar ist eine Aussage über Werte unter der Bestimmungsgrenze?
- Vorwissen
- Grundbegriffe der deskriptiven Statistik (Mittelwert, Anteil). Kein Vorwissen zu Trinkwasser nötig.
- Material
- Fall 1 (Werte unter der Bestimmungsgrenze), die CSV, Tabellenkalkulation oder Python bzw. R, ausgedruckte Evidenz-Dossiers. Fall 1, Dossier.
- Ergebnis
- Jede Gruppe hat für einen Stoff drei Rechenwege mit ihren Annahmen dokumentiert und eine Aussage samt Limitation formuliert.
| Zeit | Phase | Arbeitsauftrag |
|---|---|---|
| 0–10 min | Einstieg | Die Leitfrage von Fall 1 und die Beispielzeile zeigen. Frage an alle: Wie würden Sie hier einen typischen Wert angeben? |
| 10–25 min | Datenbasis | CSV laden, Prüfsumme vergleichen, die Arten der Angabe (mit Zahl, unter BG, BG nicht angegeben) in der Datei finden. |
| 25–55 min | Gruppenarbeit | In Gruppen für den Beispielstoff die Verfahren A, B und C rechnen und zu jedem die drei Leitfragen beantworten. |
| 55–75 min | Vergleich | Gruppen stellen ihre Ergebnisse vor. Wo liegen A und B auseinander, und welche Annahme erklärt es? |
| 75–85 min | Limitationen | Gemeinsam „Das folgt daraus nicht“ ergänzen: Werttyp, Einheiten, geteilte Analysen. |
| 85–90 min | Abschluss | Jede Gruppe trägt ihre Aussage mit Limitation in Abschnitt 4 und 5 des Dossiers ein. |
Blockseminar an zwei Tagen
Tag 1: Daten verstehen
- Evidenz-Check und Datenqualität
- Fall 1: Werte unter der Bestimmungsgrenze
- Fall 2: Messdaten haben ein Datum
- Fall 3: Wer fehlt?
- Forschungsfragen der Gruppen festlegen (Dossier, Abschnitt 1 und 2)
Tag 2: Aussagen prüfen
- Fall 4: Werk, Netz, Hahn
- Fall 5: Grenzwert ist kein Gesundheitsurteil
- Gruppenauswertung mit dem Dossier
- Fall 6: gegenseitig nachrechnen
- Kritische Lektüre als Abschluss
Semesterprojekt
Ergebnis ist ein Evidenz-Dossier je Gruppe.
- Frage: Gruppen formulieren eine Forschungsfrage, die der Datensatz beantworten kann, und prüfen sie mit dem Evidenz-Check.
- Daten: Datenstand festhalten, Filter und Grundgesamtheit dokumentieren, Prüfsumme notieren.
- Methode: Umgang mit Zensierung, Datum, Einheiten und geteilten Analysen begründen; Literaturrecherche zu den Stichworten der Fälle.
- Auswertung: Ergebnis mit n, Ebene und Limitationen; ein Skript, das alle Zahlen erzeugt.
- Prüfung: Eine andere Gruppe rechnet das Ergebnis mit Datei und Skript nach (Fall 6).
- Abgabe: Evidenz-Dossier mit allen sechs Abschnitten.
Diskussionsfragen
- Wann ist ein Anteil unter der Bestimmungsgrenze aussagekräftiger als ein Mittelwert?
- Wer trägt Verantwortung dafür, dass Prüfberichte vergleichbar sind: Versorger, Labore, Behörden oder Auswertende?
- Wie lässt sich ein Ergebnis über Trinkwasserdaten öffentlich kommunizieren, ohne zu verharmlosen oder zu beunruhigen?
- Was müsste ein Datensatz enthalten, damit Aussagen über das Wasser am Hahn möglich werden?
Bewertungsraster (optional)
| Prinzip | erfüllt | teilweise erfüllt |
|---|---|---|
| 1. Frage vor Methode | Die Frage ist präzise und mit dem Datensatz beantwortbar. | Die Frage ist vorhanden, aber zu weit oder nicht beantwortbar. |
| 2. Provenienz dokumentieren | Datei, Datenstand, Prüfsumme, Filter und n sind genannt. | Die Datenbasis ist genannt, aber ohne Stand oder ohne n. |
| 3. Zensierung ausdrücklich behandeln | Zensierte und fehlende Werte sind getrennt und mit Annahme behandelt. | Zensierung ist erwähnt, die Annahme bleibt offen. |
| 4. Ebene benennen | Die Ebene jeder Aussage ist genannt. | Die Ebene ist nur teilweise genannt. |
| 5. Limitationen vor Schlussfolgerungen | Limitationen stehen vor der Schlussfolgerung und begrenzen sie. | Limitationen stehen am Ende, ohne Bezug zum Ergebnis. |
Einsatz nach Fach
| Fach | Niveau | Fälle | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Umweltwissenschaften | Bachelor, Master | 1, 3, 4 | Umweltdaten aus Berichten auswerten und ihre Grenzen benennen. |
| Chemie und Hydrochemie | Bachelor, Master | 1, 5 | Bestimmungsgrenzen, Einheiten und Werttypen in Laborberichten. |
| Siedlungswasserwirtschaft | Bachelor, Master | 4, 5 | Werk, Netz und Hausinstallation; Übergangsfristen der Trinkwasserverordnung. |
| Public Health | Master, Forschung | 4, 5 | Expositionsebene, ökologischer Fehlschluss und Risikokommunikation. |
| Statistik und Data Science | Bachelor, Master, Forschung | 1, 2, 3, 6 | Zensierte Daten, Auswahlverzerrung, abhängige Beobachtungen, Reproduzierbarkeit. |
| Informatik | Bachelor, Master | 6 | Datenpipelines, Prüfsummen, APIs und Versionierung. |
| Datenjournalismus | Bachelor, Master | 3, 5, 6 | Aussagen über Daten prüfen und ohne Übertreibung formulieren. |
| Umwelt- und Verwaltungsrecht | Master | 5 | Grenzwerte als rechtliche Bewertungsgröße, Stufen und Übergangsfristen. |
| Lehramt | Bachelor, Master | 1, 4 | Datenkompetenz vermitteln; Brücke zum Wasserdetektiv für Schulen. |
Die Bausteine sind Vorschläge. Sie sind nicht auf ein Modulhandbuch, einen Studienplan oder Leistungspunkte abgestimmt.