Mikroplastik-Test fürs Trinkwasser: was er zeigt – und was nicht
Ein Mikroplastik-Test für das eigene Trinkwasser ist möglich, aber sein Ergebnis lässt sich nur schwer einordnen. Hier steht, was bekannt ist, was ein Test kann und welche Fragen Sie dem Labor vorher stellen sollten – jeweils mit Quelle.
Kurz gesagt: Für Mikroplastik im Trinkwasser gibt es keinen Grenzwert. Die EU hat 2024 eine einheitliche Messmethode festgelegt, Grenzwerte folgen daraus nicht. Die WHO sah 2019 nach damaligem Wissen kein erkennbares Gesundheitsrisiko, betont aber den Forschungsbedarf. Flaschenwasser ist keine plastikfreie Alternative. Ein Test am eigenen Hahn liefert eine Teilchenzahl, aber keine Aussage, ob sie unbedenklich ist.
Zuerst, kostenlos
Für die Gesundheit lässt sich ein Ergebnis nicht bewerten: Es gibt keinen Grenzwert. Leitungswasser ist keine schlechtere Wahl als Flaschenwasser.
Vor der Bestellung die fünf Fragen an das Labor klären (Methode, kleinste Teilchengröße, Blindproben).
Was gemeint ist: Kleine, feste Teilchen aus synthetischen Polymeren bis 5 Millimeter Größe; Teilchen unter einem Mikrometer heißen Nanoplastik.
Kein Grenzwert: Die Trinkwasserverordnung nennt Mikroplastik nicht. Von 762 Orten, deren Prüfberichte wir ausgewertet haben, nennt keiner einen Wert dafür.
Einheitliche Messmethode der EU: Der Delegierte Beschluss (EU) 2024/1441 vom 11. März 2024 ergänzt die EU-Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 (Artikel 13 Absatz 6) um eine Methodik zur Messung von Mikroplastik. Sie stützt sich auf optische Mikrospektroskopie (Infrarot oder Raman); welche kleinste Teilchengröße erfasst wird, hängt laut Beschluss von Methode und Gerät ab.
WHO-Bewertung: Nach den begrenzten Daten scheint Mikroplastik im Trinkwasser beim damaligen Stand kein Gesundheitsrisiko darzustellen; die WHO forderte mehr Forschung (WHO, 20.08.2019).
Flaschenwasser: Im Mittel rund 240.000 Kunststoffteilchen je Liter, etwa 90 % davon Nanoplastik – gemessen mit einer neuen Bildgebungsmethode an Flaschen dreier Marken (Qian et al., PNAS 2024). Die kleine Stichprobe lässt keine Aussage über alle Marken zu.
Leitungswasser oder Flasche: der Vergleich
Mikroplastik in Leitungs- und Flaschenwasser: was bekannt ist
Leitungswasser
Flaschenwasser
Grenzwert für Mikroplastik
keiner
keiner
Verpackung
keine; aus der Leitung
häufig PET, Deckel aus Kunststoff
Messdaten
keine flächendeckenden Werte; EU-Messmethode seit 2024
Einzelstudien, u. a. PNAS 2024 mit rund 240.000 Teilchen je Liter
Laufende Überwachung
streng überwacht nach Trinkwasserverordnung (andere Parameter)
Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (andere Parameter)
Was ein Mikroplastik-Test zeigt – und was nicht
Ein Labortest zählt Kunststoffteilchen in Ihrer Probe, je nach Methode auch nach Kunststoffart und Größe. Er zeigt nicht, ob die Menge gesundheitlich bedenklich ist – dafür fehlt eine Bewertungsgrundlage. Und er zeigt nur, was die Methode erfasst: Nanoplastik etwa bleibt bei den üblichen Verfahren weitgehend unsichtbar.
Fünf Fragen an das Labor vor der Bestellung
Welche Methode? Infrarot- oder Raman-Mikrospektroskopie wie in der EU-Methodik – oder ein anderes Verfahren?
Ab welcher Teilchengröße wird gezählt? Ohne diese Angabe lassen sich Ergebnisse nicht vergleichen.
Wie wird Verunreinigung ausgeschlossen? Kunststoffteilchen sind überall, auch in der Luft und an Gefäßen. Gute Labore arbeiten mit Blindproben.
Wie viel Wasser wird untersucht? Bei kleinen Mengen hängt das Ergebnis stark vom Zufall ab.
Wie wird das Ergebnis angegeben? Teilchen je Liter, nach Kunststoffart und Größenklasse?
Was Sie ohne Test tun können
Leitungswasser trinken: Es kommt ohne Plastikverpackung und ist streng überwacht. Die Werte Ihres Orts finden Sie über die PLZ-Suche.
Unterwegs Glas oder Edelstahl statt Einweg-PET nutzen.
Kein Filter nötig: Die WHO sieht beim heutigen Wissensstand kein Gesundheitsrisiko, das einen Filter begründen würde. Wann sich ein Gerät aus anderen Gründen lohnt, klärt die Entscheidungshilfe.
Häufige Fragen zum Mikroplastik-Test
Gibt es einen Grenzwert für Mikroplastik im Trinkwasser?
Nein. Weder die deutsche Trinkwasserverordnung noch die EU-Trinkwasserrichtlinie legt einen Grenzwert für Mikroplastik fest. Die EU hat 2024 zunächst eine einheitliche Messmethode beschlossen (Delegierter Beschluss (EU) 2024/1441).
Wie viel Mikroplastik ist im Leitungswasser in Deutschland?
Dafür gibt es keine flächendeckenden Messwerte nach einheitlicher Methode. Von 762 Orten, deren Prüfberichte wir ausgewertet haben, nennt keiner einen Wert für Mikroplastik – es gehört nicht zu den Parametern, die Versorger untersuchen müssen.
Ist Mikroplastik im Trinkwasser gesundheitsschädlich?
Das ist nicht geklärt. Die WHO bewertete das Risiko durch Mikroplastik im Trinkwasser 2019 auf Basis der damals begrenzten Daten als gering und forderte mehr Forschung. Für Nanoplastik fehlen belastbare Daten noch weitgehend.
Ist Flaschenwasser die bessere Wahl?
Nicht beim Mikroplastik: Eine Studie fand 2024 in Flaschenwasser im Mittel rund 240.000 Kunststoffteilchen je Liter, etwa 90 % davon Nanoplastik (Qian et al., PNAS 2024; untersucht wurden Flaschen dreier Marken). Leitungswasser wird ohne Plastikverpackung geliefert.
Lohnt sich ein Mikroplastik-Test?
Für die Gesundheit lässt sich das Ergebnis nicht bewerten, weil es keinen Grenzwert und keine Bewertungsgrundlage gibt. Ein Test kann Neugier befriedigen oder einen Vergleich vorher und nachher ermöglichen – wenn Methode und kleinste gezählte Teilchengröße gleich bleiben.