Das unterschätzte Risiko
Private Brunnen unterliegen NICHT der Trinkwasserverordnung - nur wenn Wasser an Dritte abgegeben wird. Sie sind selbst verantwortlich für die Qualität!
Was bekannt ist
- In landwirtschaftlich geprägten Regionen ist Nitrat im Grundwasser verbreitet: Laut Nitratbericht 2024 überschreitet gut ein Viertel der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes im Mittel 50 mg/L (mehr dazu: Nitrat im Trinkwasser).
- Hausbrunnen fördern oft oberflächennahes Grundwasser und können davon betroffen sein.
- Für die Qualität eines privaten Brunnens sind Sie selbst verantwortlich; das Gesundheitsamt nennt geeignete Labore.
Typische Belastungen in Agrargebieten
1. Nitrat
Ursachen:
- Gülle-Düngung
- Mineraldünger
- Stallmist
Grenzwert: 50 mg/L (für Babys: 10 mg/L)
Typische Werte in Agrargebieten: 80-200 mg/L
2. Pestizide
Häufig gefunden:
- Atrazin und Metabolite
- Glyphosat
- Bentazon
- Metolachlor
Grenzwert: 0,1 µg/L pro Einzelstoff
Typische Werte: 0,3-2 µg/L
3. Tierarzneimittel
- Antibiotika aus Tierhaltung
- Entwurmungsmittel
- Hormone
4. Fäkalbakterien
Bei undichten Brunnenköpfen oder zu geringem Grundwasserstand.
Brunnen-Check: Risikofaktoren
Hohes Risiko:
- Brunnen unter 10m Tiefe
- Sandiger Untergrund
- Felder direkt angrenzend
- Tierhaltung in der Nähe
- Brunnen älter als 30 Jahre
Niedrigeres Risiko:
- Brunnen über 30m Tiefe
- Lehmiger/toniger Untergrund
- Wald oder Grünland in der Umgebung
- Regelmäßige Wartung
Empfohlene Analysen
Mindestumfang (jährlich)
- Nitrat
- Nitrit
- Colibakterien
- E. coli
- pH-Wert
- Leitfähigkeit
Erweiterte Analyse (alle 3 Jahre)
- Pestizid-Screening
- Schwermetalle
- PFAS (in Industrienähe)
Kosten
- Basisanalyse: 50-100€
- Erweiterte Analyse: 200-500€
Aufbereitung für Brunnenwasser
Welche Aufbereitung nötig ist, hängt allein vom Laborergebnis ab – kaufen Sie keine Anlage auf Verdacht, und lassen Sie sich vom Gesundheitsamt oder einem Fachbetrieb beraten. Grundsätzlich gilt:
- Sedimentfilter halten Partikel und Trübung zurück
- Aktivkohle kann organische Stoffe wie manche Pestizide verringern
- Umkehrosmose verringert auch Nitrat
Wichtig: Brunnen mit Nachweis von Fäkalbakterien dürfen nicht als Trinkwasser verwendet werden – auch nicht mit Filter.