Trinkwassermonitor2026 PLZ analysieren

Bleirohre: Pflichten, Fristen und Rechte nach § 17 Trinkwasserverordnung

Bleirohre mussten bis zum 12. Januar 2026 raus. Hier steht, was Eigentümer und Vermieter seitdem tun müssen, wann das Gesundheitsamt die Frist verlängern darf und was Sie als Mieterin oder Mieter verlangen können, mit Check zum Ausdrucken und einem Muster für die Anfrage.

Kurz gesagt: Trinkwasserleitungen aus Blei mussten bis zum Ablauf des 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt werden (§ 17 TrinkwV). Eine Verlängerung gibt es nur auf Antrag beim Gesundheitsamt, bis 2036 nur für Häuser, deren Wasser allein den Haushalt des Eigentümers versorgt. Vermieter müssen ihre Mieter informieren und seit dem 13. Januar 2026 in Textform erklären, dass die Pflicht erfüllt ist. Das Problem liegt im Haus, nicht im Wasserwerk: Von 840 Orten, deren Prüfbericht Blei nennt, liegen keine ab Werk über dem Grenzwert.

Auf einen Blick

  1. Frist vorbeiBleirohre mussten bis zum 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt werden (§ 17 TrinkwV).
  2. ErkennenWie Sie Bleirohre erkennen, zeigt der Check mit sechs Punkten.
  3. Als MieterVermieter müssen informieren – was Sie verlangen können, steht unten, mit Muster.
  4. Bis sie raus sindKein Wasser aus Bleirohren für Schwangere, Säuglinge und Kinder.
12.1.2026Ende der Frist für Bleileitungen (§ 17 Abs. 1)
48 %der Gebäude mit Wohnraum vor 1970 gebaut, weitere 13 % in den 1970ern (Zensus 2022)
0 von 840Orten mit Blei ab Werk über dem Grenzwert
bis 25.000 €Bußgeld, wenn Bleileitungen bleiben (§ 73 Abs. 2 IfSG)

Der Gebäudeanteil ist keine Messung und keine Schätzung von Bleirohren: Bleirohre gibt es laut Umweltbundesamt höchstens in Häusern mit Baujahr vor 1973, und längst nicht in allen. Summe über 10.781 Gemeinden mit veröffentlichten Werten, 19.957.206 Gebäude (Zensus 2022, Statistisches Bundesamt, dl-de/by-2-0).

Bleirohre erkennen

  1. Baujahr prüfen: Bleirohre kann es „höchstens noch in älteren Gebäuden geben (Baujahr vor 1973)“; später gebaute Häuser sind nicht betroffen (Umweltbundesamt).
  2. Rohre ansehen, etwa im Keller vor und hinter dem Wasserzähler: Bleirohre sind weicher als Kupfer- oder Stahlrohre, lassen sich mit einem Messer leicht einritzen und erscheinen an der Stelle silbergrau (UBA). Kupfer ist rötlich, Kunststoff weiß oder grau und nicht metallisch.
  3. Nachfragen: Vermieter, Hausverwaltung oder Eigentümer sagen Ihnen, wann die Leitungen verlegt wurden und aus welchem Werkstoff sie sind; nach dem Hausanschluss fragen Sie den Wasserversorger. Im Zweifel beraten Gesundheitsamt oder ein Fachbetrieb für Sanitär- und Heizungstechnik.
  4. Messen lassen: Ob Blei am Hahn ankommt, klärt eine fachgerechte Labormessung; das Wasser soll vorher mindestens vier Stunden in der Leitung stehen (UBA). Probe Schritt für Schritt: Bleitest. Ausführliche Checkliste: Bleirohre erkennen.

Was § 17 vorschreibt

Pflichten bei Trinkwasserleitungen aus Blei (§ 17 Trinkwasserverordnung)
PflichtWerWannFundstelle
Bleileitungen und Teilstücke entfernen oder stilllegen, nach den anerkannten Regeln der TechnikBetreiber der Anlage, im Haus in der Regel der Eigentümerbis Ablauf 12. Januar 2026Abs. 1
Dem Gesundheitsamt nachweisen, dass das erledigt ist, ohne AufforderungBetreibernach Ablauf der FristAbs. 4
Verbraucher informieren, wenn Bleileitungen vorhanden oder anzunehmen sind, und mitteilen, wann sie voraussichtlich entfernt werdenWasserversorger; im Haus, wer vermietet oder es gewerblich oder öffentlich betreibtunverzüglichAbs. 5 Satz 1 und 2
Den betroffenen Verbrauchern in Textform erklären und nachweisen, dass die Pflicht erfüllt oder die Frist verlängert istwie obenab 13. Januar 2026Abs. 5 Satz 3
Gefundene Bleileitungen dem Gesundheitsamt meldenWasserversorger und Installationsunternehmen (nicht, wenn sie gerade den Austausch ausführen)unverzüglichAbs. 6

Vermietung zählt: Die Trinkwasserverordnung nennt die Bereitstellung von Trinkwasser „im Rahmen einer Vermietung“ ausdrücklich eine gewerbliche Tätigkeit (§ 2 Nr. 8 TrinkwV). Die Informationspflicht gilt deshalb für jeden Vermieter, auch für eine einzelne vermietete Wohnung.

Bußgeld: Ordnungswidrig handelt, wer Bleileitungen nicht oder nicht rechtzeitig entfernt oder stilllegt oder die Verbraucher nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig informiert (§ 72 Abs. 1 Nr. 7 und 8 TrinkwV). Die Geldbuße kann bis zu 25.000 € betragen (§ 73 Abs. 2 Infektionsschutzgesetz); die Höhe legt die Behörde im Einzelfall fest.

Fristverlängerung: nur in zwei Fällen

Das Gesundheitsamt kann die Frist auf Antrag verlängern, aber nur so:

Wer eine Verlängerung nach Abs. 3 hat, muss dem Gesundheitsamt unverzüglich melden, wenn sich im Haushalt etwas Wichtiges ändert, besonders wenn Kinder, Schwangere oder Frauen im gebärfähigen Alter hinzukommen. Wird das Haus vorher verkauft, endet die verlängerte Frist ein Jahr nach dem Eigentumsübergang: Wer ein Haus mit einer solchen Verlängerung kauft, hat ab dann noch ein Jahr.

Als Mieterin oder Mieter: was Sie verlangen können

Muster: Anfrage an den Vermieter

Unverbindliches Muster, keine Rechtsberatung. Passen Sie die Angaben in eckigen Klammern an und schicken Sie es per E-Mail oder Brief; heben Sie eine Kopie auf.

Betreff: Trinkwasserleitungen aus Blei – Bitte um Auskunft nach § 17 Trinkwasserverordnung

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wohne als Mieterin bzw. Mieter in der Wohnung [Straße, Hausnummer, Lage der Wohnung]. Das Gebäude wurde [Baujahr, falls bekannt] gebaut.

Nach § 17 Abs. 1 der Trinkwasserverordnung mussten Trinkwasserleitungen und Teilstücke aus Blei bis zum Ablauf des 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt werden. Sofern im Gebäude solche Leitungen vorhanden waren, haben Sie den betroffenen Verbrauchern seit dem 13. Januar 2026 in Textform zu erklären und in geeigneter Form nachzuweisen, dass die Pflicht erfüllt oder die Frist vom Gesundheitsamt verlängert wurde (§ 17 Abs. 5 Satz 3 TrinkwV).

Ich bitte Sie deshalb bis zum [Datum, etwa zwei Wochen ab heute] um eine Antwort in Textform:
1. Gibt oder gab es im Gebäude Trinkwasserleitungen oder Teilstücke aus Blei?
2. Falls ja: Wann wurden sie entfernt oder stillgelegt? Bitte fügen Sie einen Nachweis bei, etwa die Rechnung oder Bescheinigung des Installationsunternehmens.
3. Falls das Gesundheitsamt die Frist verlängert hat: bis wann?

Mit freundlichen Grüßen
[Ihr Name]

Das Muster fragt nur nach dem, was § 17 Abs. 5 dem Vermieter vorschreibt. Ob die Pflicht zur Erklärung greift, hängt davon ab, ob es im Haus Bleileitungen gab; fragen dürfen Sie trotzdem. Bei Streit helfen Mieterverein oder Anwalt.

Als Eigentümerin oder Eigentümer: die Schritte

  1. Klären, ob es Blei gibt: Baujahr vor 1973, graue weiche Rohre. Mehr: Bleirohre erkennen.
  2. Installationsunternehmen beauftragen, das im Installateurverzeichnis Ihres Wasserversorgers eingetragen ist. Austausch oder Stilllegung nach den anerkannten Regeln der Technik.
  3. Mieter informieren und ihnen danach in Textform bestätigen, dass die Leitungen entfernt oder stillgelegt sind, mit Nachweis.
  4. Dem Gesundheitsamt nachweisen, dass es erledigt ist, ohne auf eine Aufforderung zu warten.
  5. Schafft es der Handwerker nicht rechtzeitig: Mit Auftrag vor dem Stichtag und Bescheinigung die Verlängerung beim Gesundheitsamt beantragen.

Blei ab Werk und Gebäudealter in Ihrem Ort

oder

Werte ab Wasserwerk aus dem neuesten ausgewerteten Prüfbericht, mit Stand; je Ort der neueste genannte Wert, gleich für welche Versorgungszone. Ihr Ort fehlt? Dann haben wir seinen Bericht noch nicht ausgewertet (Datenabdeckung) – schlagen Sie ihn vor.

Ihr Ort fehlt?

Sagen Sie uns, welchen Ort wir als Nächstes auswerten sollen. Kennen Sie den Prüfbericht Ihres Wasserversorgers, schicken Sie uns gern den Link – wir lesen jeden Wert selbst im Original nach.

Danke! Ihr Vorschlag ist angekommen. Die meistgewünschten Orte werten wir zuerst aus.

Wir speichern nur, was Sie hier eintragen – keine IP-Adresse, keine E-Mail-Adresse. Datenschutz

Bis die Rohre raus sind

Grenzwert: 10 µg/l bis 11.1.2028, ab 12.1.2028 5 µg/l, gemessen am Hahn. Alles zu den neuen Grenzwerten: Trinkwasser 2028. Hintergrund zu Blei: Blei im Trinkwasser.

Ein Labor-Set zum Selbstbeproben dient der Eigenkontrolle. Für eine Auseinandersetzung mit Vermieter oder Versorger und für die Pflichtuntersuchungen eines eigenen Brunnens braucht es eine fachgerecht genommene Probe einer dafür zugelassenen Untersuchungsstelle; welche das sind, sagt Ihr Gesundheitsamt.

Häufige Fragen

Bis wann müssen Bleirohre ausgetauscht sein?

Trinkwasserleitungen und Teilstücke aus Blei mussten bis zum Ablauf des 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt werden (§ 17 Abs. 1 Trinkwasserverordnung). Verpflichtet ist der Betreiber der Anlage, im Haus in der Regel der Eigentümer. Danach muss er dem Gesundheitsamt unaufgefordert nachweisen, dass das erledigt ist (§ 17 Abs. 4).

Gibt es eine Fristverlängerung für Bleileitungen?

Nur auf Antrag beim Gesundheitsamt und in zwei Fällen: wenn vor dem 12. Januar 2026 ein eingetragenes Installationsunternehmen beauftragt war und es bescheinigt, dass es die Arbeit aus Kapazitätsgründen erst später schafft (§ 17 Abs. 2), oder längstens bis zum 12. Januar 2036, wenn das Wasser nur den eigenen Haushalt des Eigentümers versorgt und keine Gesundheitsschäden zu befürchten sind (§ 17 Abs. 3). Für vermietete Wohnungen gibt es die Verlängerung bis 2036 also nicht.

Muss mich mein Vermieter über Bleirohre informieren?

Ja. Vermietung gilt in der Trinkwasserverordnung als gewerbliche Tätigkeit (§ 2 Nr. 8). Weiß der Vermieter von Bleileitungen oder sind sie anzunehmen, muss er die Mieter unverzüglich informieren und mitteilen, wann sie voraussichtlich entfernt werden. Seit dem 13. Januar 2026 muss er den betroffenen Mietern in Textform erklären und nachweisen, dass die Leitungen entfernt oder stillgelegt sind oder die Frist verlängert wurde (§ 17 Abs. 5).

Welches Bußgeld droht bei Bleirohren?

Wer Bleileitungen nicht oder nicht rechtzeitig entfernt oder stilllegt oder die Verbraucher nicht richtig informiert, handelt ordnungswidrig (§ 72 Abs. 1 Nr. 7 und 8 Trinkwasserverordnung). Die Geldbuße kann bis zu 25.000 € betragen (§ 73 Abs. 2 Infektionsschutzgesetz). Über die Höhe entscheidet die Behörde im Einzelfall.

Woran erkenne ich Bleirohre im Haus?

Bleirohre gibt es laut Umweltbundesamt höchstens in Häusern mit Baujahr vor 1973. Sie sind weicher als Kupfer- oder Stahlrohre, lassen sich mit einem Messer leicht einritzen und erscheinen dort silbergrau; nachsehen können Sie zum Beispiel im Keller vor und hinter dem Wasserzähler. Sicher klärt es eine Labormessung nach mindestens vier Stunden Standzeit.

Hilft ein Wasserfilter gegen Blei aus alten Rohren?

Laut Umweltbundesamt sind Filter zur Bleientfernung und eine Sanierung der alten Rohre nicht zielführend. Die Lösung ist der Austausch der Bleirohre.

Kann ich bei Bleirohren die Miete mindern?

Wenn das Wasser am Hahn den Blei-Grenzwert überschreitet, ist das ein Mangel der Mietsache. Zeigen Sie ihn dem Vermieter an; veröffentlichte Urteile zu Blei im Trinkwasser nennen 5 bis 10 %. Muster und Schritte stehen im Mieter-Hub. Das ist keine Rechtsberatung; im Einzelfall helfen Mieterverein oder Anwalt.

Quellen: § 17 Trinkwasserverordnung; § 2 Nr. 8 TrinkwV; § 72 TrinkwV; § 73 Infektionsschutzgesetz; Umweltbundesamt: Bleirohre – Blei im Trinkwasser ist gesundheitsschädlich; UBA: Trink Was (2020); Zensus 2022 (dl-de/by-2-0); Auswertung der veröffentlichten Prüfberichte durch Trinkwassermonitor. Gesetzestexte gelesen am 25.10.2026. Keine Rechtsberatung.

Zitiervorschlag: Trinkwassermonitor (2026): Bleirohre: Pflichten und Fristen. https://trinkwassermonitor.ink/bleirohre/

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