Vorab: Brauchen Sie überhaupt einen Filter?

Meist nicht. Das Umweltbundesamt sieht in einer fachgerecht betriebenen Hausinstallation „aus gesundheitlich-hygienischen Gründen […] keine Notwendigkeit einer Nachbehandlung des Trinkwassers“ und lehnt Geräte, die rein vorsorglich eingebaut werden, grundsätzlich ab (UBA-Empfehlung, Stand 15.12.2021). Auch die Verbraucherzentrale hält Filter für Leitungswasser „in der Regel nicht notwendig“ (Verbraucherzentrale, Stand 07.08.2026).

Einen Anlass gibt es, wenn ein geprüfter Wert Ihres Versorgers nahe am Grenzwert liegt oder Ihnen der Geschmack nicht zusagt. Ihre Werte zeigt die PLZ-Suche; die Entscheidung Schritt für Schritt finden Sie in der Entscheidungshilfe: Brauche ich einen Filter?.

So funktionieren die beiden Verfahren

Aktivkohle

Das Wasser fließt durch Aktivkohle. Gelöste organische Stoffe lagern sich an ihrer großen inneren Oberfläche an. So bindet Aktivkohle unter anderem Chlor und Geschmacksstoffe. Salze wie Nitrat und die Härtebildner Calcium und Magnesium hält sie nicht zurück; dafür enthalten Filterkannen zusätzlich einen Ionenaustauscher.

Bauformen: Filterkanne, Hahnaufsatz, Blockfilter unter der Spüle.

Umkehrosmose

Das Wasser wird mit Druck durch eine sehr feine Membran gedrückt. Sie hält die meisten gelösten Stoffe zurück, auch Nitrat und die Mineralstoffe Calcium und Magnesium. Der zurückgehaltene Anteil fließt als Abwasser (Konzentrat) ab. Haushaltsanlagen haben meist Vorfilter und eine Aktivkohlestufe.

Was Studien zu PFAS zeigen

In einer Studie der Duke University und der North Carolina State University mit Haushaltsfiltern senkten Umkehrosmose und zweistufige Untertischfilter die PFAS-Werte um 94 % oder mehr; Aktivkohlefilter wie Kannen oder Hahnaufsätze entfernten im Schnitt 73 %, mit großen Unterschieden zwischen den Geräten (Herkert et al. 2020, Pressemitteilung). Bei vier von sechs getesteten Filteranlagen für das ganze Haus lagen bestimmte PFAS nach dem Filter sogar höher als davor.

Die US-Umweltbehörde EPA nennt Aktivkohle, Umkehrosmose und Ionenaustauscher als Verfahren, die PFAS verringern können. Sie rät, auf eine Zertifizierung nach NSF/ANSI 53 oder NSF/ANSI 58 zu achten, und betont: Filter wirken nur, wenn sie nach Herstellerangabe gewechselt werden (EPA, Stand 03.08.2026).

Der Vergleich

MerkmalAktivkohleUmkehrosmose
Geschmack, Chlorverbessertverbessert
PFASverringert, stark geräteabhängig (Studie: im Schnitt 73 %)Studie: 94 % oder mehr
Nitratkeine Wirkungverringert
Kalk (Härte)nur mit Ionenaustauscher (Filterkannen)verringert
Mineralstoffebleiben weitgehend erhaltenwerden mit entfernt
Abwasserkeinsja
PflegeKartusche rechtzeitig wechselnVorfilter, Kohlestufe und Membran nach Herstellerangabe wechseln
Prüfzeichen für PFASNSF/ANSI 53NSF/ANSI 58

Blei: kein Fall für einen Filter

Wenn Sie Bleileitungen vermuten, hilft kein Filter auf Verdacht. Das Umweltbundesamt schreibt: „Die Anwendung von Filtern zur Bleientfernung ist nicht sinnvoll“ (UBA, Stand 04.08.2026). Stattdessen: Wasser ablaufen lassen, bis es kühl kommt, eine Laboranalyse machen lassen und die Leitungen tauschen. Mehr dazu: Bleirohre erkennen.

Babynahrung: kein Filterwasser

Für Säuglingsnahrung raten die Behörden von Wasser aus Haushaltsfiltern ab, weil sich darin Keime vermehren können. Frisches Leitungswasser ist in Deutschland im Allgemeinen gut geeignet (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit). Details: Wasser für Babynahrung.

Hygiene: der unterschätzte Punkt

Jeder Filter kann selbst zur Keimquelle werden, wenn Kartuschen zu lange genutzt werden oder gefiltertes Wasser lange steht. Die Verbraucherzentrale rät, Tischfilter regelmäßig zu reinigen, die Kartusche regelmäßig zu wechseln und den Filter im Kühlschrank aufzubewahren.

Wann welches Verfahren passt

Fazit

Umkehrosmose hält in Studien mehr zurück als Aktivkohle, kostet aber mehr, erzeugt Abwasser und entfernt auch Mineralstoffe. Beide Filter sind nur ein Gewinn, wenn es einen konkreten Anlass gibt und sie gewartet werden. Den Anlass zeigen die geprüften Werte Ihres Versorgers.