Kurz gesagt
Leitungswasser ist in Deutschland auch für Kinder in der Regel eine gute Wahl. Worauf Eltern achten sollten, sind vor allem drei Punkte: alte Bleileitungen im Haus, Nitrat bei Säuglingen und die PFAS-Werte des Versorgers.
Blei: der wichtigste Punkt im Altbau
Laut Weltgesundheitsorganisation gibt es keine Bleibelastung, die bekanntermaßen ohne schädliche Wirkung ist; Blei kann die Gehirnentwicklung von Kindern dauerhaft beeinträchtigen (WHO, Stand 10.06.2026). Für Säuglinge und Kinder bis sechs Jahre ist Wasser aus Bleileitungen nach dem Umweltbundesamt „als Trinkwasser immer ungeeignet“ (UBA).
- Bleileitungen gibt es vor allem in Häusern, die vor 1973 gebaut wurden.
- Klären lässt sich das mit der Checkliste zu Bleirohren und einer Laboranalyse.
- Filter sind keine Lösung: Das Umweltbundesamt hält Filter zur Bleientfernung für nicht sinnvoll.
Nitrat: wichtig für Säuglinge
Bei jungen Säuglingen kann zu viel Nitrat den Sauerstofftransport im Blut stören (Methämoglobinämie). Für Leitungswasser gilt der Grenzwert von 50 mg/L; die meisten Versorger liegen deutlich darunter. Frisches Leitungswasser ist in Deutschland im Allgemeinen gut für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit). Mehr dazu: Wasser für Babynahrung.
PFAS: warum der Grenzwert für Kinder zählt
Die EFSA hat ihren Richtwert für PFAS 2020 aus Studien abgeleitet, in denen Kinder mit höherer PFAS-Belastung schwächer auf Impfungen reagierten. Deshalb ist der Wert Ihres Versorgers für Familien besonders interessant. Er steht auf den Stadtseiten und auf der PFAS-Karte.
Was Eltern konkret tun können
- Die geprüften Werte kennen: über die PLZ-Suche oder die Trinkwasseranalyse des Versorgers.
- Stehendes Wasser ablaufen lassen, bis es kühl aus der Leitung kommt.
- Nur kaltes Wasser zum Trinken und Kochen verwenden.
- Das Baujahr des Hauses klären; als Mieter den Vermieter nach Bleileitungen fragen.
- Keinen Filter auf Verdacht kaufen: Bei unauffälligen Werten ist er nicht nötig, für Babynahrung soll kein Filterwasser verwendet werden.
Rechenbeispiel: Wie viel PFAS nimmt ein Kind über das Trinkwasser auf?
Formel:
Tägliche Aufnahme = (Trinkmenge in L × PFAS-Konzentration) ÷ Körpergewicht
Beispiel (5-jähriges Kind, 20 kg, etwa 0,8 L Wasser am Tag):
- Bei 2 ng/L Summe PFAS-4 im Leitungswasser: (0,8 × 2) ÷ 20 = 0,08 ng/kg Körpergewicht pro Tag
- Beim ab 12. Januar 2028 geltenden Grenzwert von 20 ng/L Summe PFAS-4: (0,8 × 20) ÷ 20 = 0,8 ng/kg Körpergewicht pro Tag
Zum Vergleich: Die EFSA hat 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) von 4,4 ng pro kg Körpergewicht und Woche für die Summe aus PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS abgeleitet – das sind rund 0,63 ng/kg pro Tag (EFSA Journal 2020;18(9):6223). Dieser Wert gilt für die gesamte Aufnahme aus Nahrung und Wasser, nicht nur für das Trinkwasser.
Das Beispiel zeigt: Entscheidend ist der tatsächliche Wert Ihres Wasserversorgers. Die geprüften PFAS-Werte vieler Städte finden Sie auf den Stadtseiten und auf der PFAS-Karte.
Fazit
Vorsorge bedeutet für Eltern vor allem: den geprüften Wert des eigenen Versorgers kennen und im Altbau die Hausinstallation auf Blei prüfen lassen. Ein Filter ersetzt diese Information nicht und ist in den meisten Fällen nicht nötig.